Liberale Frauen Mittelbaden

Diskussion der Liberalen Frauen beschäftigt sich mit Strategien gegen den Hebammenmangel
(erschienen am 22.03. in den BNN mit freundlicher Genehmigung der BnN)

Immer öfter bleiben Kreißsäle phasenweise geschlossen, weil keine ausreichenden Kapazitäten zur Verfügung stehen. Auch in Mühlacker, wo der Kreißsaal einer Pressemitteilung der Klinik zufolge ab dem 30. März wegen Personalausfällen auf einen Betrieb unter der Woche reduziert wird. Und immer öfter kommt es vor, dass Frauen sich direkt nach einem positiven Schwangerschaftstest auf die Suche nach einer Hebamme machen. Jutta Eichenauer findet das schade. Die Landesvorsitzende des baden-württembergischen Hebammenverbands beklagt eine schlechte Versorgungslage. Am Mittwochabend diskutierte sie auf Einladung der Liberalen Frauen zusammen mit Gesamtelternbeirats-Schriftführerin Kerstin Klepp, Frauenarzt Volker Heinecke und FDP-Stadtratskandidatin Monika Descharmes über das Thema.

Eichenauer ist überzeugt: Wenn sich die Situation verbessern soll, dann müssen sich zuerst die Rahmenbedingungen ändern, unter denen Hebammen arbeiten – vor allem in den Krankenhäusern. Denn dort müssten Hebammen oft mehrere Geburten gleichzeitig betreuen, sagt Eichenauer. Und sie müssten vielen Tätigkeiten nachgehen, die mit ihrer eigentlichen Arbeit wenig zu tun haben. Etwa umfangreiche Dokumentationen erstellen, Essen verteilen, putzen, Schränke auf abgelaufene Materialien untersuchen und Geräte warten. Die Folge: Viele Hebammen ziehen sich aus ihrem erlernten Beruf zurück oder arbeiten nur noch in Teilzeit. Eichenauer glaubt, dass sich das durch bessere Rahmenbedingungen ändern würde. Die Vorsitzende des Landeshebammenverbands sagt: „Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir Geld in die Hand nehmen.“ Sie fordert auch eine bessere Bezahlung der Hebammen. Schließlich hätten sie eine große Verantwortung und seien gut ausgebildet. Ihr Job sei anstrengend und verlange so manches Opfer, habe aber auch viele schöne Seiten. Eichenauers Vision für die Zukunft: Eine gute Kooperation auf Augenhöhe zwischen allen an der Geburtshilfe Beteiligten. Sie hält es nicht für sinnvoll, zu versuchen, den Mangel weiterhin zu kompensieren. Ein Mangel, von dem auch Volker Heinecke das eine oder andere berichten kann: Von 1987 bis 2010 arbeitete er in Bad Urach als Belegarzt.

Er sagt: „Unser Gesundheitssystem ist in einer Mangelversorgung.“ Man habe in der Bundesrepublik zwar qualitativ eine sehr hochwertige Medizin. Aber bei der Ausstattung und den personellen Ressourcen sehe es ganz anders aus. Der Patient merke das gelegentlich im Randbereich, „aber wie tief der Abgrund wirklich ist, das weißt er oft nicht“. Und zwar, weil das medizinische Personal versuche, den Mangel durch übermäßigen Einsatz zu kompensieren. „Das kann so nicht weitergehen“, sagt Heinecke. Der promovierte Mediziner ärgert sich – auch darüber, dass in der Öffentlichkeit trotzdem noch oft genug das Bild des im Geld schwimmenden, Porsche fahrenden, braun gebrannten Arztes vorherrscht. Zum Hebammenmangel sagt Heinecke: „Geburtshilfe braucht gesellschaftliche Unterstützung – egal, ob man im Krankenhaus oder zu Hause entbindet.“ Unterstützung, für die sich Monika Descharmes einsetzen will: Die Stadtratskandidatin der FDP sagt: „Es muss in unser aller Interesse sein, dass die Versorgung hier vor Ort funktioniert.“ – Nico Roller

Diskussionsteilnehmer Hebammenmangel
Der Mangel an Hebammen war das Thema bei der von den Liberalen Frauen organisierten Diskussion mit Kerstin Klepp, Monika Descharmes, Jutta Eichenauer, Volker Heinecke und Nicole Büttner-Thiel. (rol)